Lesetipp: Raphael Müller – Ich fliege mit zerrissenen Flügeln

Ein beeindruckendes Plädoyer für mehr Offenheit im Umgang mit Menschen mit einer Beeinträchtigung – geschrieben von einem 14-jährigen, dem keiner zutraute lesen und schreiben zu lernen.

Raphael Müller kann nicht reden, er äußert sich durch Laute. Schwerstbehindert, im Rollstuhl sitzend – ein Fall für die Förderschule.
Raphael, hat aber  – ohne jeden Unterricht – bereits als Kleinkind lesen und schreiben gelernt. Nicht Buchstabe für Buchstabe, sondern anders.
Seine Mutter merkt, dass er sich artikulieren und will und zusammen üben sie gestützte Kommunikation – Raphael schreibt auf einem Tablet.

Damit kann er sich mitteilen und er macht das auf vielfältige Weise: Mittlerweile hat er weitere Erzählungen und Gedichte veröffentlicht.

Seine autobiografische Schilderung verknüpft er mit einem  eindringlichen Plädoyer für echte Inklusion, für die Einräumung echter Chancen und für den Mut, Menschen etwas zuzutrauen und ihnen offen zu begegnen.

Für mich war dieses Buch eine Bereicherung und auch eine schmerzende Selbsterkenntnis: Niemanden unterschätzen, nicht nach dem Anschein urteilen – dies dachte ich verinnerlicht zu haben. Beim Lesen ertappte ich mich immer wieder, wie ich dachte „ist das nicht nahe an einer Überforderung?“

Jeder Mensch hat das Recht, dass ihr oder ihm etwas zugetraut wir und dass sie oder er freien Zugang zu Bildungseinrichtungen bekommt. Diese Forderung mit Nachdruck zu vertreten, darin bestärken mich Raphael Müller und die verschiedenen Statements von Menschen, die ihn persönlich kennen gelernt haben. Das wünsche ich mir auch.

Mehr Informationen
Buchbeschreibung auf der Seite des fontis-Verlages
Internetseite von Raphael Müller

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